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23. Juli 2023, 20:44 Uhr

Der Granat bleibt in Norddeich - ohne Umweg nach Marokko

Lesedauer: ca. 2min 36sec
Geschält wird der Granat in Norddeich.

Geschält wird der Granat in Norddeich. © Bruns ubr

Norddeich Im Grunde ist es eine Art Sensation: Krabben, in Norddeich gefangen, in Norddeich geschält, in Norddeich ohne Konservierungsstoffe haltbar gemacht, in Norddeich zum Verkauf angeboten. Genau das gibt es von diesem Wochenende an der Norddeicher Straße 204a direkt hinter dem Pfannkuchenhaus. Sigrun Müller, eine „echte“ Norddeicherin, eröffnet an diesem Sonnabend ihre Krabbenmanufaktur und will damit gerade auch den Fischern hier vor Ort eine sichere Plattform bieten, ihren Fang zu vermarkten.

Es begann damit, dass Sigrun Müller ihre Familiengeschichte aufschreiben wollte. Bei den Recherchen stieß sie auf einen Begriff, der sie nicht mehr losließ. Irgendwo in den alten Unterlagen war da von einer „Gläserverschlussmaschine“ die Rede. Da schon ihre Ahnen im Fischfang zu Hause waren, wusste Sigrun Müller: Das hat mit Krabben zu tun, mit Granat. Der Gedanke ließ sie nicht mehr los – es wäre doch eine Idee, die gefangenen Krabben nicht mehr nach Marokko schicken zu müssen, wie es jetzt der Fall ist, sondern vor Ort direkt vermarkten zu können.

Also experimentierte Sigrun Müller – und war eines Tages erfolgreich: Krabben, geschält oder ungeschält, wusste sie haltbar zu machen. Mit einer neuen „Gläserverschlussmaschinen-Idee“. Sie präsentierte ihre Ergebnisse einem Labor in Berlin. Und von dort gab es keinerlei Einwände.

Auch die hiesigen Behörden, das Gesundheitsamt, alle, die in irgendeiner Form mit Hygienebestimmungen, Genehmigungen und anderen zum Betrieb einer solchen Lebensmitteleinrichtung erforderlichen Unterlagen zu tun haben, gaben eines Tages grünes Licht.

Und so entstand auf dem Gelände von Müllers Vater Sigbert Noormann, dort, wo früher schon Fischmehl hergestellt worden ist, ein neues Gebäude: Moderne trifft dort uralte Tradition. Sigrun Müller hat mehrere Norddeicher und Norddeicherinnen begeistern können, für den Betrieb nach alter Art Granat zu pulen – aber eben nicht wie früher im eigenen Haus (das wäre nicht erlaubt), sondern in den aus Hygienegesichtspunkten einwandfreien Räumen der Manufaktur. Hier werden sie regelmäßig zusammensitzen und den frischen Granat für die Kunden schälen.

Ohne Konservierungsmittel

Durch den Einsatz besagter Maschine werden die Krabben (geschälte und ungeschälte) im Glas haltbar gemacht, ohne dass Konservierungsmittel zugesetzt werden müssen. „Ein altes Stück Norddeich lebt auf“, sagen die Norddeicher, die das Projekt mit verfolgt haben.

Sigrun Müller möchte auf diesem Weg vor allem die Fischer vor Ort unterstützen – die ersten haben längst zugesagt, ihren Fang bei ihr abzuliefern, allen voran Müllers Bruder Carsten Noormann. Müller möchte nicht nur Einheimische und Kunden in dem kleinen Ladengeschäft empfangen, sie hofft, dass auch der Handel, dass die Gastronomie auf ihre frische Ware aufmerksam wird und Krabben bei ihr ordert. Geliefert wird die Ware in Pfandgläsern, die zurückgegeben werden können. Nachhaltigkeit – auch das ein Stichwort, das Sigrun Müller unbedingt mit Leben füllen wollte.

Vier Jahre habe es gedauert von der Idee bis zur fertigen Krabbenmanufaktur. Für Sigrun Müller geht ein Traum in Erfüllung. Und es schließt sich auch ein Kreis für sie. Hat sie doch ihre Familiengeschichte (die immer noch nicht fertig geschrieben ist) quasi wieder aufleben lassen. Und so können alle davon profitieren, die frischen Granat schätzen.

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