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26. April 2023, 06:30 Uhr
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Griff in die Rücklage verhindert das Minus bei der Bandkasse

Drei Stürme im Februar verwüsteten die Region und bescherten dem Versicherer das schlimmste Schadensjahr seiner Geschichte

So sieht ein Millionenschaden an einem Mehrfamilienhaus von oben aus. Das Haus steht in Emden und wurde komplett saniert.

So sieht ein Millionenschaden an einem Mehrfamilienhaus von oben aus. Das Haus steht in Emden und wurde komplett saniert. © Brandkasse

Von Stefan Bergmann
Aurich/Ostfriesland
Die Ostfriesische Brandkasse hält sich meist mit Superlativen zurück. Das Versicherungsgeschäft geht oft seinen ruhigen Gang. Doch gestern war es anders.

„Wir hatten 2022 das heftigste Schadensjahr in unserer gesamten Unternehmensgeschichte“, sagte Vorstandschef Thomas Weiss vor Journalisten.

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Die Gründe heißen Ylenia, Zeynep und Antonia. Das sind die Namen der Orkantiefs, die im Februar 22 über Ostfriesland hinwegzogen. Jedes fünfte Haus war betroffen, die Stürme richteten binnen 72 Stunden fast 13.000 Schäden mit einer Schadenshöhe von 16,2 Millionen Euro an, die die Brandkasse begleichen musste. Das war soviel wie in normalen Jahren insgesamt bezahlt wird.

Die Vorstände Gerrit Wilken (l.) und Thomas Weiss sowie Kommunikationschefin Signe Foetzki.

Die Vorstände Gerrit Wilken (l.) und Thomas Weiss sowie Kommunikationschefin Signe Foetzki. © Stefan Bergmann

Das Abarbeiten der Schadensmeldungen brachte die Mitarbeiter „fast zum Wahnsinn“, wie Weiss sagte. Zusammen mit Bränden und anderen Schäden in dem Jahr schüttete die Brandkasse etwa 46 Millionen Euro aus – und damit um einiges mehr, als an Beiträgen eingenommen wurde.

Griff in die Rücklage

Dass das Jahresergebnis trotzdem nicht ins Minus rutschte, ist den Rückversicherern zu danken, die einen großen Teil der Schadenssumme übernahmen. Auch ein Griff in die Schatulle half; rund eine Million Euro aus der Rücklage hob das Jahresergebnis auf immerhin noch 716.000 Euro. Im Vorjahr war es noch ein Plus von 1,7 Millionen Euro.

Die Brandkasse ist nach eigenen Angaben Marktführer beid den Gebäudeversicherungen in Ostfriesland. Dieser Umstand fällt ihr immer dann auf die Füße, wenn Unwetter ganz Ostfriesland heimsuchen und nicht nur lokal auftreten.

Trotz allem stabil

Trotz des Katastrophenjahres betonten die beiden Vorstände Gerrit Wilken und Thomas Weiss, die Brandkasse stehe „stabil“ da. Dies zeige die binnen Jahresfrist unveränderte Eigenkapitalquote von 121 Prozent.

Mit Beitragserhöhungen aufgrund der jüngsten oder weiter zu erwartenden Wetterphänomene – Stichwort: Klimawandel – rechnen die Vorstände zunächst nicht. Sie gaben aber zu, dass bereits in diesem Jahr eine Erhöhung um 15 Prozent erfolgt sei. Grund sei der gestiegene Baupreisindex. Er gebe an, wie teuer die Wiederherstellung eines Wohngebäudes nach einem Totalschaden wird. Der Index ist laut Statistischem Bundesamt innerhalb eines Jahres um 15 Prozent gestiegen. Die Gründe: Corona-Krise, der Krieg in der Ukraine und die daraus resultierende Materialknappheit mit höheren Preisen. Ein Manko aus Sicht von Weiss: Die Preiserhöhung sei schlecht bis gar nicht kommuniziert worden; ein Teil der Kunden bekam unkommentiert die höheren Rechnungen und beschwerte sich. Weiss: „Das hätten wir vielleicht etwas geschickter machen sollen.“

Überhaupt, die Kunden.

Sie wollen billige Versicherungen, persönlichen Service, immer mehr Online-Service und vor allem eine schnelle Abwicklung von Schäden.

Der Kunde als Regulativ

„Der Kunde ist unser Regulativ“, stelle Weiss wie ein Mantra in den Raum. Das heiße für die Brandkasse: Auch weiterhin werden rund 250 Mitarbeitende in rund 40 Geschäftsstellen und der Hauptstelle in Aurich persönlich ansprechbar bleiben. Als wichtiges Ziel gab er aus, die jüngere Generation zur Brandkasse zu holen und vermeldete in dem Punkt auch schon Fortschritte. Und auch das Thema „Online“ erreicht die Brandkasse langsam. Gerrit Wilken nannte die „Online-Schadensmeldung“ als eines der ersten digitalen Produkte, die demnächst an den Markt gehen.

Und ganz nebenbei will die Brandkasse bis 2025 klimaneutral werden. Zurzeit überprüft sie alles auf Nachhaltigkeit. Von der Glühbirne an der Decke bis zur PET-Wasserflasche.

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