Lang anhaltender Applaus für zwei Stunden Orchestermusik im Norder Theater

Von Irmi Hartmann

Von wegen langweilige Orchestermusik: Abordnungen des Stadtorchesters boten ein ungewöhnliches musikalisches Programm.üller

Norden Am Ende ist die im Grunde doch große Bühne schlicht zu klein. Die Dritt- und Viertklässler der Schule Im Spiet stehen in kleinen Gruppen, Erwachsene quetschen sich irgendwo hinten und an den Seiten dazwischen, um für sich und das eigene Instrument ein winziges Plätzchen zu finden. Schließlich ist noch die geforderte Zugabe dran, soll mit „Bossa Blue“ noch einmal gezeigt werden, wie schnell man sich mit Saxophon, Querflöte oder Posaune vertraut machen und ein erstes Stück vorspielen kann. Das ist immer wieder auch die Intention der Vertretungen des Norder Stadtorchesters. Am Sonnabend hatten das Tea-Time- und das Chaos-Orchester gemeinsam mit den Schulkindern und Vertretungen aus Emden der Musischen Akademie ins Norder Theater eingeladen zu frischer Musik zum Zuhören und natürlich zum Staunen.

„Es gibt drei Variationen von ‚Au claire de la lune‘ – wir spielen alle!“ erklärt selbstbewusst ein Drittklässler, der erst seit Weihnachten ein Blasinstrument in den Händen hält und nun in einer kleinen Gruppe gleich mal sein erstes Konzert erfolgreich absolviert. Möglich, dass er im nächsten Frühling dann wie die Viertklässler schwierigere Stücke mit noch mehr Noten locker darbieten kann und es aushält, dass neben ihm andere Stimmen erklingen. Dann wird er, sofern er es möchte, auch schon in einer der Orchestergruppen mitspielen können. Das ist der Weg, den Moderator Martin Higgen allen ans Herz legte, die, egal welchen Alters, noch mal etwas Neues probieren möchten.

Unter der Leitung von Inga Plogstieß, Rosi Gehrmann und Katja Neumann gab es zwei Stunden lang Musik aus verschiedenen Genres. Das Publikum ward mit „Mana Mana“ eingeladen in die Sesamstraße, zu James Bond, in die Serie „Game of Thrones“ und zum Revival mit Abba-Hits. Bei „Remember me“ aus dem Film Coco lernte, wer es noch nie gehört hatte, was es mit dem mexikanischen „Mariachi-Stil“ auf sich hat – immerhin immaterielles Kulturerbe...

Mal stürmisch, mal aufregend, gern fröhlich, unbeschwert und locker leicht - genauso sollten die Töne bei den Gästen ankommen, unter ihnen viele Angehörige der zeitweise über 100 Musiker und Musikerinnen auf der Bühne. So war es kein Wunder, dass wirklich jeder Beitrag, jedes Stück, auch jeder Kommentar mit großem Beifall gewürdigt wurde - auch ein Dank an das Organisationsteam im Hintergrund, das es mittlerweile seit Jahren ermöglicht, Neugierige egal wie alt an die Musik heranzuführen.

Und so sah man durchaus auch den einen oder die andere, die im ersten Teil des Konzertes in der Rhythmusgruppe aktiv waren, im zweiten plötzlich ein Blasinstrument spielen. Wen es einmal gepackt hat, könnte man daraus schließen, den lässt es nicht mehr los.

Entsprechend laden die Verantwortlichen auch in diesem Jahr wieder ein, sich beim musikalischen Sommerworkshop einmal an einem Blas- oder Rhythmusinstrument zu versuchen. In der ersten Woche der Sommerferien gibt es – wie schon berichtet– täglich Unterricht und auch tägliche gemeinsame Proben. Damit hofft das Stadtorchester auf noch mehr Nachwuchs und auf noch mehr Musizierende im nächsten Frühjahr im Norder Theater.