Die 27-jährige Neele Fokken aus Aurich ist jetzt Türmerin auf dem Hamburger Michel
Es sei „der schönste Arbeisplatz der Welt“, sagt sie selbst: Neele Fokken ist die erste Frau, die auf der wichtigsten Kirche Hamburgs zweimal am Tag mit der Trompete Choräle in alle Himmelsrichtungen schickt. Sie ist in Aurich aufgewachsen.
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Neele Fokken, aufgewachsen in Aurich, auf dem Hamburger Michel. © Leltschuk/St. Michaelis
Hamburg/Aurich Dienstbeginn für die erste Michel-Türmerin seit 300 Jahren: Die gebürtige Ostfriesin Neele Fokken wird mit ihrer Trompete künftig regelmäßig den Choral vom Türmerboden der Hauptkirche St. Michaelis in 82 Metern Höhe aus blasen. „Ich freue mich sehr, nun den wohl schönsten Arbeitsplatz der Stadt zu haben“, sagte die 27-Jährige bei ihrer Vorstellung am Freitag. Als ersten Choral ließ Fokken „Aus meines Herzens Grunde“ über die Dächer der Stadt erklingen.
Fokken ist zum Studium nach Hamburg gekommen. Sie hat Trompete, Kulturmanagement und Grundschullehramt studiert und unterrichtet Musik und Trompete an einer Grundschule in Hamburg-Ottensen. Außerdem ist Fokken als Trompeten-Lehrerin an der Jugendmusikschule tätig.
Das von der Michel-Stiftung finanzierte Amt teilt sich Fokken jetzt mit dem langjährigen Türmer Josef Thöne. Der 65-Jährige hatte die Trompeterin gefragt, ob das nichts für sie wäre. „Das Wichtigste ist Pünktlichkeit – und 90 Prozent besteht aus Warten“, sagte er. Sein bisheriger Kollege war in den Ruhestand gegangen. Hauptpastor Alexander Röder ist froh, dass eine neue Türmerin gefunden ist. „Es ist heute alles andere als selbstverständlich, dass sich Menschen finden, die jeden Morgen und jeden Abend persönlich vor Ort sind.“
Das Choralblasen vom Turm ist eine protestantische Tradition, die an der Hauptkirche seit mehr als 300 Jahren gepflegt wird. Ursprünglich verkündete das Choralblasen das Öffnen und Schließen der Stadttore.
Die Michel-Türmer steigen an 365 Tagen 678-mal auf den Turm und spielen Choräle in alle Himmelsrichtungen. Werktags erklingen die Choräle um 10 Uhr und um 21 Uhr, an Sonn- und evangelischen Feiertagen mittags um 12 Uhr. epd