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18. Januar 2024, 06:00 Uhr

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Die Stadt Norden informiert zur Verkehrsentwicklung, aber kaum einer kommt

In einer Bürgerinformationsveranstaltung zur Verkehrsentwicklung von Norden zeigt sich geringes Interesse – leere Stühle prägen das Bild. Ein von der Stadt beauftragtes Unternehmen präsentiert einen Verkehrsentwicklungsplan, der nicht nur Handlungsfelder aufzeigt, sondern konkrete Maßnahmen vorschlägt.

Lesedauer: ca. 3min 11sec
Die Stadt Norden informiert zur Verkehrsentwicklung, aber kaum einer kommt

Norden Stühle waren ausreichend vorhanden, nur blieben sie weitgehend leer. Die Bürgerinformationsveranstaltung zum Verkehrsentwicklungsplan für Norden stieß am Dienstagabend nur auf geringes Interesse. Ob es am Wetter lag, wie Bürgermeister Florian Eiben vermutete, oder am sperrigen Titel der Veranstaltung: Präsentation und besonders die anschließende Diskussion hätten mehr Zuhörerinnen und Zuhörer verdient gehabt.

Wie soll die Mobilität in Norden im Jahr 2035 aussehen? Dazu hat das von der Stadt beauftragte Unternehmen „Mobilitätswerk“ aus Dresden in den vergangenen 22 Monaten in Zusammenarbeit mit der Verwaltung, Vertretern der Politik und Akteuren aus der Bevölkerung ein Leitbild erarbeitet. Es gab einen Fußverkehrscheck, eine Haushaltsbefragung, eine Verkehrsbefragung sowie eine Verkehrszählung. Zusätzlich wurden von den Verkehrsexperten zahlreiche Daten ausgewertet.

Am Ende flossen alle Informationen zusammen in den Verkehrsentwicklungsplan. Darin beschreiben die Gutachter nicht nur verschiedene Handlungsfelder, sondern schlagen zudem konkrete Maßnahmen vor. So soll beispielsweise das Radfahren in der Stadt durch eine Nord-Süd-Route parallel zur Norddeicher Straße attraktiver werden, auch über die Einführung eines Stadtbus-Angebotes wird nachgedacht.

Welche Ansprüche die Norderinnen und Norder an ein solches Angebot haben, stellte am Dienstagabend René Pessier, Geschäftsführer der Mobilitätswerk GmbH, in den Mittelpunkt der Diskussion. Zusätzlich hatte er mit dem Geschäftsführer des Emder Stadtverkehrs, Olaf Schmidt, und dem Vorsitzenden des Bürgerbusvereins Hage, Peter Herborg, zwei Nahverkehrsexperten eingeladen. Um über den Bedarf von älteren und mobilitätseingeschränkten Menschen zu sprechen, komplettierte Holger Korn vom Senioren- und Behindertenbeirat die Gesprächsrunde.

Es sei ein vorrangiges Ziel des Beirates, die Mobilität für die Menschen, die er vertrete, zu erhöhen, so Korn: „Daran arbeiten wir seit acht Jahren und inzwischen mit dem dritten Bürgermeister.“ Der Beirat habe seinerzeit ein verbilligtes Seniorenticket vorgeschlagen. Ein Stadtbuskonzept sei allerdings noch besser. Der Beirat begrüßt den Vorstoß.

Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in der Stadt ist abseits der Hauptachsen nicht attraktiv genug, findet nicht nur der Beirat, sondern auch der Gutachter. Ein zusätzliches Stadtbusangebot könnte die Lösung sein. In Hage und Großheide sind die Einwohner zur Selbsthilfe geschritten und haben Bürgerbusvereine gegründet. In Hage fährt der Bus mittlerweile seit fast drei Jahren. Auf zwei Linien haben die Menschen in der Samtgemeinde viermal täglich die Möglichkeit, per Bus den Kernort zu erreichen. Die 18 Busfahrer sind ehrenamtlich tätig. Damit werden hohe Personalkosten vermieden. „Aber man braucht einen langen Atem“, so Herborg. Im ersten Monat habe man lediglich 56 Fahrgäste verzeichnet. „Man muss viel Geduld haben, bis das Angebot in den Köpfen angekommen ist.“ Inzwischen nutzen zwischen 400 und 500 Gäste monatlich den Hager Bürgerbus. Zusätzliche Haltestellen – auf Wunsch der Fahrgäste eingerichtet – sollen das Angebot noch attraktiver machen. Der Friedhof in Hage und der Begräbniswald in Lütetsburg wurden in den Tourenplan aufgenommen. Herborg: „Bei den Betriebskosten liegend wir natürlich weit unter dem, was ein Stadtbus erfordern würde.“ Auf etwa 600000Euro haben die Gutachter den jährlichen Zuschuss grob beziffert, den die Stadt Norden ausgeben müsste.

Eine Summe, über die man in Emden nur milde lächelt. „Wir sind bei einer kleinen siebenstelligen Summe“, so Olaf Schmidt. Dafür wird ein enges Liniennetz bedient. Zwölf Linien treffen am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) zusammen, ergänzt wird das ÖPNV-Angebot durch den Rufbus beziehungsweise Anrufsammeltaxis. 1,8 Millionen Beförderungen zählte der Emder Stadtverkehr im vergangenen Jahr. Entscheidend für die Attraktivität des Angebots ist nach den Worten von Schmidt die Taktung. „Deshalb werden wir dort reagieren“. Auf drei Hauptlinien sollen Haltestellen künftig alle 15 Minuten angefahren werden. Bislang sind es 30 Minuten. Von der Idee, alle Stadtteile gleichwertig anzubinden, habe man sich jedoch verabschiedet. „Da transportiert man viel Luft“, so Schmidt. Soll heißen, die Busse waren vielfach leer.

Auch über den Preis sollen die Emden zum Umsteigen bewogen werden. Beispielsweise mit der Emder Karte fährt eine Person für 30 Euro im Monat, inklusiver eigener Kinder oder Enkel Bus. Schmidt: „Und die Karte ist übertragbar.“ Das koste „viel, viel Geld“. „Es ist eine Abwägungssache.“

Diese Entscheidung hat die Stadt noch vor sich. Ein detailliertes Konzept zum Stadtbus soll in diesem Jahr in Auftrag gegeben werden, vorausgesetzt die Haushaltslage lässt es zu. „Ich würde mir aber wünschen, dass wir das in jedem Fall beauftragen“, so Bürgermeister Florian Eiben.

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