„Hat er gut gemacht. Ist angestellt.“
Bundeskanzler Olaf Scholz war zu einem Kurzbesuch im Emder VW-Werk. Den Beschäftigten machte er Mut: Die Automobilindustrie sei jetzt auf einem guten Weg und wettbewerbsfähig. Und dann packte er auch selbst mit an.
Lesedauer: ca. 2min 52secEmden „Jetzt gehen Sie da mal alle bitte weg, wir müssen hier jetzt weiterarbeiten!“, rief der VW-Mitarbeiter quer übers Produktionsband. Die, die er so anpfiff, waren Bundeskanzler Olaf Scholz, Werksleiter Enno Fehse und Ministerpräsident Stephan Weil. Eine Sekunde zu lang drängten sie sich aufs Band, wollten alles sehen – umringt von drängeligen Journalisten.

Einmal wieder selbst autofahren: Das VW-Werk erfüllte Scholz den Wunsch. © Sina Schuldt/dpa
Der Kanzler bekam die Vorzeigehalle 20 gezeigt, wo die neuen Elektromodelle gebaut werden. Tage vorher war durchgefegt worden, die Polizei ging mehrmals durch, um zu schauen, wo Gefahren lauern könnten. Fehse, der neue Werksleiter in Emden, erläuterte im Sauseschritt die Produktion.
Karte
Trotz einer zuletzt schwächelnden Nachfrage nach E-Autos sieht Bundeskanzler Olaf Scholz die deutsche Automobilindustrie gut für den globalen Wettbewerb gerüstet. „Man sieht, Elektromobilität funktioniert“, sagte der SPD-Kanzlerkandidat bei einem Besuch im Emder VW-Werk. Das sei eine großartige Leistung der deutschen Automobilindustrie und seiner Beschäftigten.
„Insofern müssen wir uns vor dem internationalen Wettbewerb (…) längst nicht mehr fürchten.“ Scholz sagte weiter, er sei fest davon überzeugt, dass die deutschen Automobilkonzerne gezeigt hätten, dass sie diesen globalen Wettbewerb bestehen.
Scholz in der Montage
Einmal ein deutsches Auto bauen – diesen Wunsch hatte Scholz vorab aus Berlin rübergekabelt. VW schickte ihn folglich ans Band.

Er hat‘s geschafft: Die Dämmung ist sicher eingebaut. © Stefan Bergmann
An der Station von Silke Jürgens bekam er eine graue VW-Jacke verpasst, natürlich mit seinem Namen. Er hatte nur eine Aufgabe: Eine Bodendämmung in eine ansonsten nackte Karosserie einzulegen.
Und, wie war der neue Azubi?

Silke Jürgens erklärt, was zu tun ist. © Edzards-Tschinke met
Silke Jürgens antwortete wohlwollend: „Er war sehr gut, er hat die Prüfung bestanden und er ist quasi angestellt bei uns!“ Scholz ein VW’ler? Nun gut, niemand weiß, ob er am nächsten Sonntagabend noch einen Job hat...
Zwei Autos weniger
Wieder ein paar Stationen weiter, wieder drängen sich Fehse und Scholz in die Linie. Da kommt aus dem Pulk eine Stimme: „Durch den Besuch von Bundeskanzler Scholz haben wir jetzt schon zwei Autos weniger produziert.“ Der Sprecher wollte nicht, dass man es hört. Aber die elektronischen Headsets übertrugen es glasklar in jedermanns Ohren. Ok, ein Spaß.
Ernster schon die Aussage von Fehse, dass die Taktung derzeit eh ein bisschen langsamer ist als normal, die Grippewelle hat auch das Werk erfasst.

Umringt von Journalisten bahnten sich Werksleiter Enno Fehse und Olaf Scholz den Weg durch die Produktion. © Edzards-Tschinke met
Insgesamt war es ein Sprint durch die Halle. Personenschützer schirmten den Kanzler ab, Referenten aus der SPD-Zentrale rüffelten äußerst wichtig Journalisten, die sich zu nahe heranwagten an den Promi-Pulk. Und drumherum die vielen Produktionsmitarbeiter, die den Rummel erneut mitmachen mussten. Ein ähnliches Szenario gab es schon, als Robert Habeck im Spätsommer da war.
Die Politik kommt gern nach Emden. Warum Scholz nach Ostfriesland fuhr und nicht ins gefährdete VW-Werk Osnabrück oder ins bangende Werk in Zwickau, ist nicht bekannt. Ministerpräsident Stephan Weil vermutet: „Niedersachsen ist ja ein starkes SPD-Land. Das könnte einer der Gründe sein.“
Eine Druckbetankung
Das Wissen bekam der Kanzler als Druckbetankung: Zwölf Millionen Autos wurden bisher in Emden produziert. 4,3 Millionen Quadratmeter Fläche. Das sind 85 Fußballfelder. 7000 Mitarbeiter. Davon 17 Prozent Frauen und neun Prozent schwerbehindert. In diesem Jahr werden 163000Fahrzeuge gebaut. Halbe halbe ID.4 und ID.7. Man sollte den Kanzler vielleicht noch einmal abfragen nach drei Tagen, was er behalten hat.
Selbst am Steuer
Der Tag in Emden hatte für Scholz begonnen mit einem Gespräch im Werksforum. Ausgesuchte Mitarbeiter waren da und diskutierten mit ihm, über die Inhalte ist nichts bekannt. Danach ging es in die Halle 20.
Ein roter ID.7 surrte um die Ecke, stellte sich strategisch im Gegenlicht auf. Scholz am Steuer. Johann Saathoff und Stephan Weil mit dabei. „Endlich durfte ich mal wieder selbst Autofahren“, sagte Scholz. Und dann begann die Show.